Tuesday, November 11

Folge Nr.4655 mit Existenzängsten

Ich stand unten am Briefkasten, die Nase lief weil es nun mal schon November ist und mein logisches Denken nicht bis "Taschentücher einpacken" reicht. Vor ein Paar Jahren habe ich den Schlüssel des Briefkastens abgebrochen und dieser steckt noch immer im Schlüsselloch; da er sich noch öffnen lässt, hat sich niemand darum gekümmert. Gewöhnlicher Griff herein und schon liegt das Ende meiner mehr oder weniger harmonischen Koexistenz mit den Zukunftsängsten in meinen Hände. Jetzt ist da nur noch Zweiteres. Mutter hatte mich vorgewarnt, dass demnächst ein Brief von der Versicherung kommen würde, mein Einstieg in das offizielle Erwachsenenleben liegt nur noch einen knappen Monat von mir entfernt. Ich habe solche Angst davor, dass ich es mir nicht einmal im Kalender angestrichen habe. Zurück zum Brief und meiner man möge sagen maßlosen Übertreibung. Der Brief beinhaltet nämlich nur eine simple Frage bezüglich meiner Pläne nach dem Abitur in einem halben Jahr. Bei dieser Frage aber stürzen Brücken ein, die Hollister-Fillialen im ganzen Land werden geschlossen, Instagram verbietet Selfies und Angela Merkel entpuppt sich als Mann. Meine Synapsen begehen Amok und die Frage bleibt irgendwo in der grauen Masse stecken. 

Schon immer habe ich meine Unsicherheit bei gewissen Themen, besonders bei diesem hier, mit exzessivem Sarkasmus kaschiert oder wie in meiner fabelhaften Intro mit sinnlosen Metaphern ausgeschmückt. Wie sehr ich es aber auch umschreibe, Fakt ist: ich werde in einem Monat 18. In 18 Wochen schreibe ich mein Abitur.


...

Geburtstage waren ehrlich gesagt noch nie etwas für mich. Und ich habe auch nie Wunschlisten geschrieben, in denen ich mir Einhörner gewünscht habe (oder macht man das nur an Weihnachten?). Aber dieses Mal ist es doch etwas anderes. Dieses Mal bin ich einfach nicht bereit dafür. Wenn ich es genau betrachte, ist es aber einfach das "Konzept" des Volljährig-Seins, das für mich nicht funktioneren will. In den letzten Monaten bin ich mehr als an einer Hand abzählbar in der Öffentlichkeit hingefallen, habe immer eine Tüte Kirschlollis in der Tasche und Cornflakes ersetzen bei mir jede beliebige Mahlzeit. Ich gebe einfach keinen guten Erwachsenen ab. Das ist was für Leute, die im Kindergarten schon wissen, dass sie BWL wie Papa studieren wollen.

Das hier dient als Einleitung für etwas, das ich noch nicht ausformulieren oder in Worte fassen kann. Ich will einfach die Leichtigkeit der alten Tage zurück. Dafür würde ich auch aufgeschürfte Knie in Kauf nehmen. Küsse

1 comment:

Catlée said...

sehr schöner schreibstil. <3