Saturday, December 26

Es ist wie es ist


Letzte Woche Dienstag habe ich zum ersten Mal wieder den Hang gespürt. Und blutige Fingernägel, die am letzten Stück Realität festhalten und dabei beinahe brechen. Morgens bin ich in die Bahn gestiegen und wie gewöhnlich zur Arbeit gefahren. Aus dem Fenster schauend, überkam es mich dann, völlig aus dem Nichts. Ich kam mir vor wie von Außen gesteuert.
Ich stieg an der nächsten Station aus und meldete mich krank. 

Es ist etwas in mir, das ich nicht beschreiben kann, doch es schmerzt jeden Tag. 

Auf der Fahrt zurück, kritzelte ich mein ganzes Notizbuch voll mit meinen Gedanken, doch jedes Mal wenn ich mir das Ganze später wieder durchlese, erkenne ich darin keinerlei Sinn. Es ist immer die selbe Leier und ich kann es bald nicht mehr hören. Eine Zeit lang habe ich mir vorgemacht, dass ich Dinge schreibe, die aufrichtig sind und echt. Als hätten sie irgendeinen Wert, Erkenntnisgewinn, Gehalt. 

Als ich Heim gekommen bin, gab es nichts was ich tun konnte. Ich legte mich ins Bett und wachte erst nach acht Stunden wieder auf.

Während ich in den Spiegel schaue, betrachte ich meine Augenringe, die bis runter in die Hölle reichen. Da, wo ich wahrscheinlich hingehöre, oder herkomme. Und das ist doch die wahre Frage: Gehöre ich dort hin, komme ich dort her oder bin ich bereits dort angekommen?

Und ich war dort bereits. Der Wahnsinn hat mich zu sich eingeladen und wir haben getanzt. Vor einem Jahr gab es eine Zeit, in der ich nichts mehr geschmeckt habe. Alles hatte den Geschmack von Fett und Mehl. Ich war davon überzeugt, dass ich nun fallen würde, aber es kam zurück.
Das tut es wohl immer.

Mittlerweile komme ich mir nur noch vor wie eine Kabarettistin, die eine Weile gute Vorführungen gemacht hat, für ihre ebenso verzweifelten Zuschauer, doch seither erzählt sie immer wieder die gleiche Geschichte. Die Leute kommen zwar, aber nur noch um milde zu lächeln und zu nicken. Sie verpassen mittlerweile die Stellen, an denen geklatscht werden soll und sitzen am Ende nur noch verlegen da. 
Irgendwann werden sie mich scheitern sehen wollen.
Wenn der Hang nicht mehr da ist, 
werde ich es sein.

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