Thursday, May 21

Parabel des Anstehens


Schon seit einigen Wochen war da diese große Ausstellung eines sehr berühmten Malers bei uns in der Stadt. Alle sprachen darüber und erzählten, wie genial das Ganze doch war und einmalig auch, man müsse ja unbedingt hin. Seit der ersten Ankündigung, war auch bei mir die Vorfreude groß, und ich war mir auch schon sicher, dass ich hingehen würde, zu dieser großen Ausstellung des großen Malers. Nun war aber ebenso der Andrang ganz gewaltig und man erzählte, wenn man gerade ausschweifend beschrieben hatte, wie genial diese Ausstellung ja war, wie lange sie in der Schlange vor dem Museum gestanden hatten. Und es erschien mir jedes Mal als eine solche Hürde, ich würde dort ja Stunden verbringen, vor diesem Museum, vielleicht würde ich ja noch ein Paar Wochen warten, die Bilder würden ja immerhin nicht weglaufen, die Ausstellung ging doch ganze zwei Monate, da würde die Schlange ja bald gar nicht mehr so lang sein. Also entschied ich mich zu warten. Darauf, dass die Schlange nicht mehr so lang sein würde; dass all die Leute das Interesse verlieren würden und ich dann auch in diese tolle Ausstellung gehen könnte, auf die ich mich ja schon so lange gefreut hatte. Nun führte ich über diese Wochen des Wartens lauter Gespräche. Ach, du warst also auch schon drin? War sicherlich fantastisch, ja klar, ich gehe auf jeden Fall nochmal rein, hast sicherlich lange angestanden, da warte ich lieber noch ein bisschen, geht ja noch lange, diese Ausstellung. So wartete ich eben, lachte ab und an die Leute vor dem Museum aus, wie sie da blöd in der Schlange rumstanden, während ich den klügsten Plan des Universums geschmiedet hatte.
So verging aber die Zeit, ich hatte viel zutun, der Mensch und sein überaus wichtiger Alltag, es ist eine tägliche Pein, Tage gefüllt mit völligem Nichtstun. Immerhin stand ich nicht in dieser Schlange, dachte ich mir, der perfekte Moment stand schon bevor, schien es mir, ich würde sie bald sehen, diese genialen Werke, das hatte ich im Gefühl. Nur wurde die Schlange nicht kürzer und es häuften sich die zu erledigenden Nichtigkeiten und so kam es, dass ich den letzten Tag der Ausstellung vergaß. Die Bilder des großen Malers fuhren also im Transporter zurück nach Paris. Und ich dachte nur an diese verdammte Schlange.

So stand ich also da, vor der Eingangshalle des Museums, und dachte mir, dass es sich so wohl mit allen großen Dingen des Leben verhält.  

2 comments:

Julia said...

Heute habe ich mir erst etwas ähnliches gedacht. Toller Text, ich mag deinen Stil.

Greta said...

Sehr schöner Text ! (Ich fand die Ausstellung gar nicht sooo toll, bin aber auch nicht sein größter Fan. Das kommt bestimmt nochmal wieder :-))