Thursday, January 8

Platon und romantische Verklärtheit

Seit Tagen schwirrt da stetig dieser Gedanke in meinem Kopf herum, habe es einige Male kurz vor dem Moment des Einschlafens aufschreiben wollen, aber es fügt sich nicht. Das hier ist ein Denkansatz, zu Ende Denken ist wie immer eure Aufgabe. (Oder eben nicht.)

Ich schrieb: 

"Vielleicht ziehen sich ja Gegensätze an, weil wir nach dem suchen, was wir selbst nicht sein können. Jemand der mutiger, offener, wortgewandter, verrückter und furchtloser ist als wir. Der Grund, wieso wir sagen, dass uns jemand ergänzen würde. Wir versuchen während dem Funkenflug alles davon einzufangen, die Magie in der Luft zwischen den Augen zweier Liebender, die möglicherweise nur sich selbst in jemand anderem suchen. Wie gefährlich diese Vorstellung ist, dass man selbst nicht genug sein kann."



Auch Plato hatte diesen Gedankengang in Symposion (irgendwann um 400 v. Chr.) formuliert; in seiner Theorie des Kugelmenschen. Die Götter schafften dabei einen Menschen, bestehend aus vier Armen und Beinen, zwei Köpfchen und zwei Herzen. Die Gesichter des Kugelmenschen waren jedoch von einander abgewandt. Nach einiger Zeit erwies sich dieser erschaffene Mensch jedoch als zu mächtig, als wahrliche Konkurrenz für die Götter im Olymp, da er mit allen möglichen Eigenschaften ausgestattet fehlerlos erschien. So entschieden Zeus und seine Kumpanen den Kugelmenschen zu spalten, auf dass er ewig nach seiner zweiten Hälfte und der Vollkommenheit seiner selbst suchen würde.  
Fanden die Hälften sich jedoch wieder, umschlangen sie einander mit der Hoffnung erneut zusammenzuwachsen und die verlorene Einheit zurückzuerlangen. Doch keine denkbare Nähe reichte ihnen die Sehnsucht, die sie so drängte zu befriedigen; sie blieben auf immer schwach. So nahm Zeus diese miserablen Geschöpfen und drehte ihre Geschlechtsorgane um; ermöglichte die kurzzeitige Stillung der Sehnsucht durch sexuelle Begierde. Die Griechen Sprachen von der Macht Eros (zu deutsch: Liebe), die sich in dieser Art der Vereinigung wiederspiegelte.

Und ich weiß nicht ob ich das schön finden soll, ob sich das für mich schön anhört. Eine Variante, die erklärt, dass ich selbst nicht genug sein kann, nie genug sein werde. Dass ich mich stetig auf der Suche befinden muss, nach dem fehlenden Teil, nach dem Fragment, das mich selbst als Fragment ergänzt. Und es ja doch gleichzeitig impliziert, dass man nie eins sein kann, da jede Nähe dieser Welt nicht genug ist. Haut auf Haut. Schwerer Atem gegen Atem. Nichts ist genug. Die Sehnsucht bleibt. Übermorgen wieder spürbar, nach der naiven Euphorie der kurzlebigen Stillung der Sehnsucht. Das ist wie verdammt sein, es aber immer wieder vergessen zu wollen. Und dann wieder Realisieren, kurz vor dem freien Fall. Ich weiß nicht ob mir das so gefällt. Ich weiß nicht ob mir das so gefällt. 

Ich brauche keine Vollkommenheit, aber ein Genug sein. Ein "alleine aufrecht stehen". Alleine atmen. Küsse 

2 comments:

hanna said...

wow, ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll.. so wahnsinnig gut geschrieben und deine gedanken sind absolut nachvollziehbar:)

Eva M R said...

Ich finde diese Vorstellung schön und traurig zugleich. Traurig, da man zum einen immer die Angst hat niemals diesen Menschen zu finden und man sich zum anderen in der Zeit alleine nie glücklich fühlen darf, weil dazu der andere Teil fehlt. Schön aber, da man weiß, dass es eine Vollkommenheit gibt. Vielleicht ist nicht das Erreichen dieser Vollkommenheit das Ziel, sondern der Weg dorthin.
Und selbst wenn wir sie nie erreichen, so gibt uns allein ihre Idee Sinn und Motivation.
Trotzdem macht mir diese Vorstellung mehr Angst als Behagen; vor verschwendeter Zeit, vor Verpassen und falschen Entscheidungen.