Sunday, October 19

Oxymora Oxymora

(Gedanken während dem Lesen von Faust I)

"Noch sind sie gleich bereit zu lachen,
Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein;
Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen;
Ein Werdender wird immer dankbar sein."

Manchmal sitze ich in der Badewanne und lache mich selbst aus, weil ich doch denke so viel zu wissen. Im nächsten Moment krache ich nämlich nieder mit meiner Unwissenheit; über eine Theorie oder ein Subjekt oder sonst etwas. Obwohl ich manchmal denke, dass ich mit mir zufrieden bin, weil ich doch nicht ganz dumm bin, merke ich, dass das Wissen, angehäuft über Jahre meiner nichtigen Existenz, zusammengefasst und gebündelt so unglaublich wenig ist. Aber sicherlich, vergleicht man das Mittelmaß mit dem Schlechten, ist auch das Mittelmaß plötzlich gut. "Im Land der Blinden ist der Einäugige König." 

Nun stellt sich aber die Frage, wo ich mit mir und meinem, nennen wir es Halbwissen, hin will. Irgendwo gefangen zwischen herkömmlichem Mittelmaß und manchmal vielversprechender Manie und Gedankenmenge. Ich bin weder zugehörig zu denen, die alles verstanden haben, noch zu denen, die mit verschlossenen Augen durch die Welt stolpern. Aber will ich mich zugehörig machen? 

"Dass ich erkenne was die Welt im Innersten zusammenhält." 


Gestern lief ich in einen Buchladen und mir viel auf, wie viel ich schon gelesen habe in meinem Leben, aber auch wie viel es noch zu lesen gibt! Nun lassen sich zwei Szenarien aufspielen: das eine, das a) besagt, egal wie viel du liest und weißt und versuchst zu verstehen, es lässt dich nicht zu der wahrhaftigen Erkenntnis kommen oder b) das Stellen der Fragen schon genug ist, auf dem Weg der sagen wir "Erkenntnis", weil man dann immer auf dem Weg bleibt? Seit Jahrtausenden sucht der Mensch nach seinem Zweck, fern von bloßer Populationserhaltung durch Fortpflanzung. Der eine macht es sich da einfacher und wählt den Weg der Religion, der andere widmet sich der persönlichen Forschung danach. Vielleicht ist da aber auch einfach c) kein tieferer Sinn? Es gab eine Zeit vor uns, und es wird auch eine nach uns geben. Ist es unsere Aufgabe zu erkennen, was im jetzt der Sinn ist?

Wieder ein anderer gibt sich mit dem zufrieden was er hat: alles läuft, ganz egal ob nun richtig oder falsch (was ist das auch schon). Aber wo soll man sich denn nun zuordnen? Sich der dünnen Fassade einer vermeintlich schönen Welt hingeben, weil man morgens noch entscheiden kann, ob Nutella oder Leberwurst aufs Brot kommt? Es wird doch dauernd gesagt, dass man sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen soll, weil das Essentielle schlicht weg zu ermüdend schwer ist für den einfachen Verstand. 

Alles dreht sich im Kreis.
Da ist nur schwarz oder weiß. Keine Grautöne.

Das ist das Problem am Menschen. Er verhält sich wie ein Oxymoron. Ein Widerspruch in sich. Auf der einen Seite gebannt darauf zu verstehen, auf der anderen aber ängstlich vor der einen Wahrheit (die vielleicht aber auch garnicht ist). Was kommt nach dem Erkennen? So denken wir doch alle: Und dann? Und dann? Und dann?
Was sollen wir mit einem Leben anfangen, in dem schon alle Fragen beantwortet sind? Wollen wir so schnell fertig sein?

Ich lasse meine Texte gerne unausformuliert. Zu Ende zu denken, das ist eure Aufgabe. 



Und dann. 

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