Sunday, September 28

Irgendwo dazwischen

(Gedanken, gedacht während der letzten Klassenfahrt meines Lebens)



Und dann ist es wie ein mittellauter Knall und alles verstummt darauf. Kein wirres Herumgerede, keine vom Lachen rot angelaufenen Gesichter, keine hochgerissenen Arme. Dann sinkt jeder wieder allmählich in sich zurück. Mit dem mittellauten Knall. Wir alle haben viel mehr Krach erwartet. Mehr von diesem "es ist das letzte mal das wir das machen können". Mehr ein letztes Mal die alten Gesichter angrinsen mit unfassbar viel Freude im Gesicht und Alkohol im Blut. Niemand weiß so recht woran es gelegen hat. Was der Grund war, dass alles ganz anders gekommen ist, als wir gedacht hatten. Das denke ich, während ich mit den Füßen im Wasser am Steinstrand stehe und mir salzige Luft ins Gesicht weht. 

Vielleicht sind erste und letzte Male aber auch nur völlig überbewertet und man sollte kurze glückerfüllte Momente dazwischen viel mehr gewichten als den letzten Augenblick vor dem vermeintlichen Ende. Wie mit den Jungs ohne Badehosen nachts ins kalte Wasser rennen. Und dann nass am Strand liegen, mit grandioser Aussicht auf die Sterne, die vielleicht in den Tagen nicht ganz für uns standen. Wir Menschen haben uns ein unkompliziertes System mit Maßeinheiten geschaffen, das für uns kompatibel ist. Doch die Zeit ist das Einzige, was uns wirklich bestimmt. Das Universum will uns austricksen, es schenkt und in den falschen Momenten zu viel, und in den richtigen zu wenig davon. Kennt ihr das, wenn ihr euch viele Gedanken über etwas macht, sie aber einfach nicht so ganz ausformulieren könnt? An einem Punkt scheitern sie einfach und zerfallen in Staub? Oder werden davongetragen von den Wellen vor mir. So ist es mit dem Gedanken, dass in knapp 200 Tagen ein riesiges Kapitel des Buches zugeklappt wird. Und das Zuklappen vor ein Paar Tagen angefangen hat.

Am letzten Abend sitzen wir um vier Uhr morgens, die letzten Verrückten, auf Klappstühlen auf unserer Terrasse und rauchen. Sehen ein bisschen aus wie erschöpfte Poeten, jeder eine Tasse gefüllt mit Whisky Cola in der Hand. Reden ein bisschen über das was kommt. So behalte ich uns gerne in Erinnerung. Als die letzten Verrückten. 
 Küsse

1 comment:

x5a said...

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“