Tuesday, September 9

17, weiblich, sucht Zuhause


Ich war mit meinen Mädchen spontan wie noch nie vor einer Woche drei Tage in Berlin. Voller Euphorie standen wir mit vollgepacktem Turnbeutel und ein bisschen glasigen Augen am Hauptbahnhof und fuhren ganze sechs stunden lang in das Herz des Landes. Wir alle noch berlinjungfräulich und gespannt wie reiche Kinder vor dem Weihnachtsbaum. Alles stand auf der Liste: billiges Hostel in der Stadt, Falafel essen in Kreuzberg und tanzen gehen in Friedrichshain. Im nachhienein ist das alles irgendwie eher ernüchternd. Berlin war schön, aber das war es dann auch wieder. Drei Tage sind aber auch vergleichsweise drei Millisekunden in einer Stadt, die nie aufhört laut aufzuheulend voll Künstlerschmerz und Fußballfans. 
Was ich aber nicht vergessen werde ist U-Bahn fahren. Man trifft dort die unglaublichsten Leute. Von Straßenkünstlern, die alle Castingshows des deutschen Drecksfernsehens gewinnen würden, bis hin zu Obdachlosen die ihre Geschichte erzählen im Tausch für ein Paar Münzen für den Waschsalon. Das war wirklich schön. Dann ist da aber auch diese Herde von Menschen, deren Kleidung und Attitüde laut in dein Gesicht schreit "Schau mich an ich bin Berlin und Berlin ist besser als du je sein wirst!". Die Menschen, die sich über ihre VIP-Tickets lachend beschweren, während sie an ihrem Club Mate sippen. Arbeiten in Szenecafés und schwören auf die alten Platten von The Smiths, obwohl sie heimlich nur Techno hören. Sagen dass ihr Hemd Second Hand ist, obwohl sie es für 40 Euro bei Urban Outfitters gekauft haben. Die Menschen. Vielleicht beschwere ich mich jetzt auch nur, weil Berlin doch nicht so astrein war wie ich es erwartet hatte. (Oder mir Club Mate einfach nicht schmeckt.) 

Meine Geschichte geht also weiter. Ich suche nach der Stadt, die mich aufnimmt und nicht wieder hergibt. Gebe jetzt also die Anzeige auf: 17, weiblich, sucht Zuhause. Die Welt ist viel zu groß um sich vorschnell zu ergeben. Küsse

4 comments:

Catlée said...

wunderschönes lied.
ich kenne dieses gefühl....DAS eine zuhause zu suchen. ich weiß, dass es für mich köln ist und immer bleiben wird. weißt du, ich hoffe sehr, dass du diesen ort auch für dich finden wirst. nur glaube ich, du solltest eine weile die orte erleben. es ist schon was wahres dran, wenn du sagst, in drei tagen kann man berlin nicht erfassen.
pass auf dich auf.
liebst, catlée

Anonymous said...

Ich kenne das. Ich weiß, dass Deutschland meine Heimat ist, aber wirklich zu Hause fühle ich mich hier bisher nirgends.
Ich komme aus einem kleinen Dorf, in dem ich mich nie wirklich wohlgefühlt habe, und werde bald zum Studieren in eine größere Stadt ziehen. Ich glaube nicht, dass ich dort das Gefühl haben werde, richtig angekommen zu sein. Aber vielleicht kann man das wirklich erst beurteilen, wenn man dort eine Zeit gelebt hat?
Ich wünsche dir, mir und allen anderen, denen es genauso geht, dass wir irgendwann einen Ort finden, der es verdient, zu Hause genannt zu werden. Und selbst wenn nicht - es geht ja auch so immer weiter.

Daria said...

ich hoffe es auch für uns alle ♥

Lilly said...
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