Tuesday, August 12

Verkleisterte Welt

(Disclaimer: Ich spreche in diesem Post ausschließlich von Ästhetik und rein oberflächlicher Schönheit, die sich nach Gesellschaftsnormen richtet. Ein weiterer Teil folgt bald.) 

Ich sitze am U-Bahnhof und starre dieses Plakat an. „There is beauty in everything, just not everybody sees it.“ Ich starre es an und es betätigt sich der Regel, der mich wütend werden last über alles was unsere Gesellschaft darstellt und konstruiert. (Es ist sehr sinnvoll diesen Regler nicht allzu oft zu betätigen, denn des entstehen dadurch gravierende Schäden in der Anpassung an vielerlei Normen.) Wie kann es sein, dass jemand solch einen Mist an die Wand kleistert? Ach ja, stimmt, damit sich der etwas hässlich geratene Kleinbürger besser fühlt. Weil ja alles eigentlich schön ist, genau. Außer dass dieser Satz rein logisch schon keinen Sinn macht, denn ohne hässlich auch kein schön, kann ich es wieder einmal nicht fassen, dass wirklich alles auf dem Konzept der Schönheit aufgebaut ist. ALLES. Fallbeispiel: Man nehme einen Designer und sage ihm, dass ja alles schön ist. Als Designer ist er es nämlich, der ja das Konzept der Schönheit prägt. Wieso sammelt er denn nicht ein Paar Heroinabhängige ein und lässt diese dann über seinen Laufsteg laufen? Ist doch gerade in, so auszusehen. Ja, ganz genau, denn an Heroinabhängigen ist nichts schön! Und da hat auch nichts dran schön zu sein, weil es sie ganz und garnicht interessiert, ob sie beim Spritzen der nächsten Dosis nun aussehen wie Megan Fox oder nicht. Will ja auch keiner sehen, die Heroinabhängigen. (Außer es klebt jemanden den Zettel „Das ist Kunst.“ dran.)  
                                                                                                      

Schönheit ist ein Konzept, dass nicht nur von der Gesellschaft erschaffen, sondern auch immer zu weiterentwickelt wird. Was vor 20 Jahren schön war, wird jetzt nur noch müde belächelt und das wird auch immer so bleiben. Die Aussage, dass in allem Schönheit steckt nimmt außerdem nicht nur alle Tiefe einer Sache und reduziert sie auf eben dies, oberflächliche Schönheit, sondern beschönigt somit auch jedes Ereignis der Geschichte, das so garnicht schön war. Ganz will ich es aber nicht auf Autor schieben, dass sein Zitat so missraten ist, denn das ist wohl auch ein Fehler der Gesellschaft, sofort immer in Superlativen zu sprechen. „Der BESTE Film, das BESTE Buch, die LECKERSTE Scheiße.“ So läufts nunmal.                     Jedenfalls überlebt dieses paradoxe Zitat nur dadurch, dass sich so jeder besser fühlen darf. Du schaust morgens in den Spiegel und bist ja doch nicht Adriana Lima? Au wei, wie ist das denn passiert? Da hol einer mal schnell jemanden, der dir das Dogma eintrichtert, dass du es doch bist! Man sollte aufhören den Menschen zu versichern, dass sie alle schön sind, sondern an einer besseren Realität arbeiten, dass es nicht jeder ist, es aber auch garnicht darum geht! Und dass nur weil man nicht schön ist, wie die Gesellschaft es einem sagt, trotzdem seinen Platz in der Welt hat. 


Wie zur Hölle kann es sein, dass sich einfach alles nur noch darum dreht? Ich frage mich wann die Menschen aus ihrem Schönheitsschlaf erwachen und endlich einsehen, welches verrückte Theater hier gespielt wird.  Ich meine schaut es euch doch einmal an, es gibt Leute auf Instagram die bloß durch ihre Selfies Tausende von Followern haben. Nur durch mehr oder weniger amateurhafte Bilder ihrer Gesichter und Kleidung. Stellt euch das doch mal vor! Wie besessen man ist von Schönheit. Alle wollen immer dass es um andere Dinge geht als das, dabei sind sie es doch selbst die diesem Theater ihre Rollen schenken.  
„Nicht alles ist schön und das muss es auch nicht sein. Überlebt auch so vorzüglich.“ will ich an die Wand kleistern, aber da hat nunmal schon jemand gekleistert und ich sitze nur doch und lache dumpf in mich hinein. Küsse

1 comment:

Peter Chinaski said...

Ich verstehe den Spruch eher so, dass Schönheit eben nicht nur äußerlich und Oberflächlich zu erkennen ist wie die meisten Leute meinen, sondern dass einige Leute (not everyone) auch bzw. eher andere Dinge schön finden. Zu deinem Beispiel von heroinsüchtigen Wracks:
Die meisten Leute sehen nur rein äußerlich zerfallene ´, verrottete Menschen. Nichts ästhetisches. Nichts schönes. Dennoch werden einige Leute es als schön empfinden, wenn Junkies auf der Straße sitzen und glücklich lächeln oder auf irgendeine Weise durch ihre Grimassen Freude zeigen.

Allgemein bedeutet der Spruch denke ich aber nur, dass man sich an kleinen, scheinbar unwichtigen Sachen erfreuen soll (z.B. wie eine Ameise, die ein Blatt durch die Landschaft trägt) und nicht in seinen schlechten Gedanken verhakt durch den Tag trottet, und depressiv ist.

Alles ist also auf irgendeine Art und Weise als schön empfindbar, wenn man selber glücklich ist, und das hat meiner Meinung nach nichts mit Ästhetik zu tun. Außer Vergewaltigungen (Bei dem Wort muss ich kotzen).

Auf Ästhetik und Mode zurückzugreifen: Es gibt keinen Menschen, der nur schlechte oder nur attraktive Eigenschaften hat. Warum Schönheit und Attraktivität so wichtig ist in unserer Gesellschaft? Das hat wohl ganz entfernt einen biologischen Sinn. Ich wünschte es gäbe keine Spiegel, keine Möglichkeiten herauszufinden, wie man aussieht, ich wünschte man könnte sich so nicht mit anderen vergleichen. Ich wünschte man würde nicht versuchen, künstliche Schönheit zu erreichen. Schön sollte nur das sein, was man so wie es von Natur aus ist, als Individuum als schön empfindet. "Beauty lies inside the eye, beauty lies inside desire".

Andererseits gibt es eine ganze Wissenschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat herauszufinden, was attraktiv bzw. was Attraktivität ist. Die Attraktivitätsforschung. Man versucht ja auch alles zu begründen, und herauszufinden. Die Entmystifizierung der Welt.

Liebe Grüße