Wednesday, August 27

"Ist doch schön so, eigentlich."



Oben übrigens meine Mama und wie immer ein Lied, klick! 

Gestern lag ich abends auf dem Flickenteppich in meinem Zimmer, es lief laut The Verve und alles war schön. So lange habe ich nicht geschrieben und jetzt merke ich wieder wie unumgänglich es für mich ist. Es bringt mich auch wieder dazu, darüber nachzudenken, wieso ich seit einer Woche das Haus kaum mehr verlasse, es sei denn ich muss Cornflakes kaufen. Das ist mein Weltschmerzrezept. Nichts anderes mehr essen als übersüßte Cornflakes. Hilft manchmal mehr oder weniger. (Ist wie mit Esoterik, wenn man dran glaubt, hilft auch die eigene Scheiße zu fressen.) Ihr seht, ich habe wieder einen meiner besonders poetischen Tage. Rücke mal mit ein Paar zusammengekratzten Erinnerungsfetzen heraus.

 Ich sitze am Tisch mit Babuschka, Ma und ihrer Schwester, wir löffeln alle Suppe. Sind ja alle noch Kinder in Babuschkas Haus, egal wie alt man ist. Jeder bekommt hier den Rücken getätschelt und wenn man nicht aufisst, scheint die Sonne morgen nicht. (Obwohl sie ja doch scheint.) Essen aber auch alle auf. Ich liebe das. Wir sitzen einfach hier und ich bin glücklich wie nie, wir machen Witze über Dostojewski und andere russische Genialitäten, es wird Tee aufgekocht und mein Keks zerfällt während dem Eintunken. 
Abends liege ich dann mit Babuschka auf dem Bett, das das Gleiche ist seit 17 Jahren meiner kläglichen Existenz, und wir schauen uns Bilder längst vergangener Jahre an. Sie erzählt mir von den Birkenwäldern, durch die auch ich immer noch laufe, und die auch schon sie mit ihren Romanzen durchtanzt hat. Ich werde mir auf ewig meine Babuschka mit tiefroten Haaren und dunkelgrünem Kleid vorstellen. Auf dem ganzen Boden verteilt liegen die Schallplatten meines Vaters, alte Bilder von Ma - auf denen sie aussieht wie ich - und es ist einer dieser Tage, wo Magie einfach in der Luft liegt und alle sie einatmen. Es legt sich wie ein goldener Schleier über alles und es scheint, als gäbe es nichts schöneres als hier zu liegen und mit geschlossenen Augen für einen Moment alles zu vergessen. Das ist, wofür das Zuhause weit weit weg da ist. Um für einen kurzen Moment zu vergessen und zu erkennen, dass alles eigentlich noch viel schöner ist als ein Gemälde von Monet, wenn wir ab und an mit den goldenen Farben die eigenen Wände streichen, die wie Magie in der Luft schweben. Küsse    

1 comment:

Sny said...

Nach so etwas suche ich ständig ... fühle mich oft heimatlos, wurzellos, muss da den Zauber schaffen wo ich bin, wo ich geh und steh und stets versuchen, ihn mit mir mitzutragen. ihn nicht zu vergessen. kann selten zu ihm heimkehren, er ist auf Wanderschaft, so wie mein Geist...