Thursday, July 17

Erinnerungsfetzen

Es ist Ende Juli. Und wie immer habe ich das Gefühl, das Ganze irgendwie mal wieder verschlafen zu haben. Ich habe in letzter Zeit aber genug verwirrte und gebrochene Texte geschrieben, ich fange hier nicht wieder damit an. In knapp einer Woche sitze ich in dem mehr oder weniger bequemen Sitz des Russian Airlines Fliegers Richtung Heimat. Und ich kann es nicht so ganz glauben. Es kommt mir einfach viel zu weit weg vor (mit dem Fakt, dass es das wohl auch ist). Ich habe schon den Geruch Babuschkas süßlichen Parfums vergessen, und ihre granatroten Haare sind in meiner Erinnerung mittlerweile ausgeblichen. Immerhin war ich dort das letzte Mal vor zwei Jahren und verdammt, das war doch eine sehr verrückte Zeit damals.  


Genau zu dem Zeitpunkt, als ich diese Bilder in Bestqualität von mir gemacht habe, hatte ich meinen ersten blutigen Herzschmerz. Aber so richtig. Mit Bon Iver Playlists und zerknitterten, vollgeheulten Bettlaken. Mit wütenden Nachrichten an den verflossenen Lieblingsjungen und überaus melancholischen Texten. Es hatte mich wirklich getroffen. Ein richtiger, verdammt fester Stoß in die Magengegend. Die Erholungszeit war nicht gerade kurz. 
 Damals habe ich erst so richtig angefangen zu schreiben. Eben weil da wohl einfach was dran ist, dass wir uns erst verlieren müssen, um uns so zu finden. Oder uns immerhin auf die Suche zu machen. Nun sitze ich hier vor meinem vollgeschriebenen alten Tagebuch. Wir Menschen sind so vernarrt in das Konzept der Ewigkeit. Weil wir selbst so vergänglich sind, suchen wir es dauernd in anderen Dingen. Ich bin ganz und garkein Romantiker, aber möglicherweise tragen wir doch Teile, vielleicht auch nur in kleinster Form, mit uns. Nachdem wir gehen. Wie eher unbefriedigende Diebe, zusammengekratzt und sorgfältig aufbewahrt. Vielleicht sprechen wir durch all die Menschen, die unser Leben so verdammt aufgewirbelt haben? Vielleicht werden wir selbst zu dem Teil, den wir im anderen doch so vergeblich gesucht haben? Vielleicht ist alles auch nur Utopie und wir verschwinden mit bloßen Erinnerungsfetzen. Vielleicht.


Collage von mir 2012

Der Punkt ist, ich bin enorm gewachsen. Zu dem Zeitpunkt, als alles so verrückt war, dachte ich, dass ich für immer traurig sein werde. Und jetzt weiß ich, dass das niemals der Fall sein wird! "Für immer" ist ein Konzept, das nicht auf uns übertragbar ist! Das Leben ist verdammt wild und nichts bleibt so lange du es denkst. Das scheint zwar wie eine schon tausend Mal gehörte Erkenntnis, aber auch wie eine, die noch öfter herausgeschrien werden sollte als das Amen in der Kirche. Ich könnte schon wieder auf den Teppich kotzen, weil sich das hier Richtung Lebensratgeber entwickelt, aber was ich sagen will ist, dass unsere Entscheidungen oft nicht das bewirken, was wir wollen. Und das Teilzeitarschloch Leben sowieso macht was es will; ohne Rücksicht auf Verluste. Solange man eines nicht vergisst, hat man jedoch nichts zu befürchten: es läuft und es wird immer laufen. Küsse

PS: Neuer Titel. Weil der alte einfach nicht mehr gepasst hat. Oder auch einfach weil ichs kann! 

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