Wednesday, March 5

Wieso es so schwierig ist; der erste Versuch

In letzter Zeit habe ich wieder öfter in meinem Gedankenzentrum herumgekramt, um vielleicht auch mal ein bisschen aufzuräumen. Seit längerem geistert bei mir ein Thema im Kopf umher, dass dringend niedergeschrieben werden möchte. Es macht mich oft traurig, dass der Großteil meiner Generation nichts tiefgründigeres, als das Zitieren von Casper Songtexten in einem Facbook Status auf die Reihe bekommt. Deshalb sind bisher meine wohl wichtigsten Gedanken unveröffentlicht geblieben, denn sie würden wahrscheinlich auf Unverständnis und verwirrtes Kopfschütteln stoßen.


Habt ihr einmal darüber nachgedacht, was man realistisch gesehen alles wirklich alleine in der Hand hat? 
Sicherlich nicht die bestenfalls erfolgreiche Schullaufbahn. Ganz trivial gesehen nicht einmal den Weg zum Rewe, um Milkaschokolade zu kaufen. So ziemlich alles ist bestimmt von irgendwelchen gesellschaftlichen Konstrukten, die unsere Gedankengänge auf geschickteste Weise beeinflussen, ohne dass wir es überhaupt merken. Ich möchte hiermit nicht einen dieser "Die-Gesellschaft-ist-so-scheiße"-Texte beginnen, auch wenn sie das mehr oder weniger ist. 

Ich habe noch nie verstanden, wieso Suizid wie eine Straftat gesehen wird. Man begeht vielleicht Mord, man begeht Kindesmissbrauch, aber man begeht keinen Suizid. Man wählt man ihn. Niemand kann entscheiden, wie und wo er geboren wird. Man wird es einfach. Niemand fragt dich während du noch ein mickriger Embryo bist, ob du auf die Welt kommen willst. Ist es dann nicht die logische Schlussfolgerung, dass man mit ausgereiftem Verstand (diesen als Voraussetzung), entscheiden darf, ob man sich für oder gegen das Leben entscheidet?

Es ist wirklich erschreckend, wie tief der Gedanke von Egoismus als schlechteste aller Eigenschaften verankert ist. Bei der einer Beerdigung, wird nicht der Verstorbene an sich, sondern der Zweck, den dieser Mensch im eigenen, individuellen Leben erfüllt hat, betrauert. Wenn sich jemand vor einen Zug wirft, ist das höchst egoistisches Verhalten, da die Passagiere ja indirekt davon betroffen sind. Man darf keinen Suizid wählen, weil es seine Mitmenschen belastet. Diese Sorge soll also vor die, der eigenen Zerrissenheit, gestellt werden. Ist das nicht vollkommen verdreht? Was gibt einem Menschen das Recht, über das Leben eines anderen zu entscheiden? 


All die zahlreichen berühmten Persönlichkeiten wählten den Suizid, weil sie an die sowie gesellschaftlichen, als auch menschlichen Grenzen gestoßen sind. Die geniale Sylvia Plath, die den gewaltigen Riss in der Gesellschaft gesehen hat, das Leben verstanden, und sich dagegen entschieden hat, beispielsweise. Kaum einer hat sie zu dieser Zeit verstanden, weil das Gespräch nur hinter verschlossenen Türen stattgefunden hat. Denn für die Mehrheit ist Suizid irrational, was dadurch kommt, dass niemand darüber spricht und es somit auch nicht verstehen kann.  

Wenn ein Mensch seinen Suizid überlebt, ist es das Reden im Geheimen, das mehr Narben hinterlässt. Deshalb ist der einzige Weg Menschen davon abzuhalten sich (wieder) für den Suizid zu entscheiden, darüber zu reden. Und zwar laut. Nicht flüsternd.
Es passiert andauernd, und das wird es weiterhin. Du hast Suizidgedanken? Habe sie weiter! Nimm sie und nutze sie um das Gespräch darüber in der Gesellschaft zu führen. Damit es endlich mehr Verständnis für das Wohl Unverständlichste für die Menschen gibt. Küsse

3 comments:

Anonymous said...

Danke für den Post, du hast mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Früher habe ich oft überlegt, ob Suizid vielleicht doch eine Lösung wäre, auch wenn ich mich irgendwann dagegen entschieden habe. Trotzdem würde ich es nie wagen, diese Gedanken vor irgendjemanden zu äußern. Aber warum eigentlich? Theoretisch gesehen hat man rein gar nichts zu verlieren. Ich glaube sogar, dass viele es verstehen oder gar zugeben würden, dass sie diese Gedanken teilen oder zumindest geteilt haben. Aber der Mensch ist nunmal feige was solche Dinge anbelangt, und ich kann mich da leider nicht ausschließen. Viele Grüße

Annika said...

Du bringst es auf den Punkt! Meine Gedanken verschriftlicht.
Auch was den ersten Abschnitt angeht. Ich frage mich oft genug, sind die alle wirklich so beschränkt und oberflächlich oder tun sie nur so? Ich könnte manchmal echt kotzen, was manche so Leute von sich geben.
Aber andererseits macht es mich froh, dass es auch Leute gibt, die so denken wie ich, und nicht alles einfach hinnehmen.
Ich kann nur sagen: danke für deine Worte.

July said...

du sprichst mir so aus der Seele ..