Monday, December 23

Denksport am Abend


Ich fühle mich wie der typische drittklassige Modeblogger, der verzweifelt nach Worten ringt und sich dafür entschuldigt, dass er nicht mehr als die Auflistung der einzelnen Kleidungsstücke auf die Reihe bekommt; mit der Bergründung er könne sich nicht passend ausdrücken. Wobei es viel trauriger ist, dass er wohl einfach nicht mehr zu sagen hat als einen kläglichen Nebensatz zum zuletzt geposteten Instagram-Bild vom Besuch bei Vapiano. 
Ehrlich gesagt habe ich in letzter Zeit einfach nicht geschrieben, weil ich nicht mit dem Fakt konfrontiert werden wollte, dass sich bald die letzte Zahl im Datum ändert. Und dann überlege ich mir was dieses Jahr so vor sich gegangen ist und komme zu dem ernüchternden Ergebnis, dass ich wieder einmal kaum etwas geleistet habe. Zwischen Fotos von Touristenattraktionen und verwirrtem Gekritzel in meinem Tagebuch ist nicht sonderlich viel passiert. Es lässt mich kurz an ein Ereignis zurückdenken, als ich mit meinem Kurs im Kino war und eine weitere Schulklasse im Saal saß - diese aber so einige Stufen unter uns - und sie vor der Vorstellung lauthals gelacht und sich unterhalten hat. Der Lehrer strampelte sich sowas von dabei ab die Kinder wieder unter Kontrolle zu bekommen, während unsere Tutorin uns erleichtert sagte:"Mensch bin ich froh, dass ich das Problem mit euch nicht habe!". Zwar musste ich im ersten Moment nach dieser Bemerkung grinsen, um aber dann genauso erfolgreich wieder auf den Boden der Tatsachen zu fallen und festzustellen, womit wir zur Ruhe gebracht wurden. Fröhlich und munter tippen alle meine drei Nachbarn auf ihren Smartphones herum und ich sitze wie nach jeder Erkenntnis benommen in meinem Sitz und kann nichts mehr erwidern. [...]

Mir wird immer mehr klar, dass dieses Konzept von To-Do-Listen mir nicht einleuchtet und es nicht ordentlich funktionieren will. Auch aus dem Grunde, dass die Dinge, die ich mir vornehme, nicht von mir kontrolliert werden, sondern von lauter Menschen abhängen, die das alles in der Hand halten. Meine utopischen Wünsche vertragen sich nicht mit der Realität, was mich wie bei der Kino-Einsicht regelmäßig auf harten Beton knallen lässt. Falls jemand ein Erfolgsrezept für solche Listen hat, dem werde ich einen imaginären Check über mehrere Millionen Euro ausstellen. 
Gerade weil das alles hier so ziemlich negativ ist, verspreche ich, dass es nicht meine letzten Worte zum Jahre 2013 waren. Vielleicht mache ich noch mal so einen tollen Rückblick. Aber ohne die billigen Collagen. Küsse

2 comments:

Anonymous said...

Du sprichst mir aus der Seele.

Anonymous said...

Du sprichst mir aus der Seele.